Hans Hesse: Bis zur Narbe. Eine Erzählung

H. Hesse: Bis zur Narbe. Eine Erzählung. ISBN 978-3-00-033578-5, 8,95 €.

Kurt Elvers wird hingerichtet!

Bremen im Sommer 1944: Kurt Elvers studiert Malerei an der Nordischen Kunsthochschule, gegründet 1934 um die blaue Blume eines neuen nordischen Stils zu finden. Einer Kunsthochschule, die eine arteigene Kultur im Sinne Adolf Hitlers aufbauen will. Einer Kunsthochschule, an der ein brodelndes Gemisch aus Neid, Missgunst und NS-Ideologie herrscht.

Kurt Elvers gilt als begabt, talentiert. Er ist beliebt. Und des Krieges überdrüssig. Er hat als Soldat gedient, wurde verwundet. Er sehnt sich nach Frieden und will sich ausschließlich seiner Malerei widmen. Doch als er im Kreise seiner Freunde eine unvorsichtige Äußerung ausspricht, ist dies bereits sein tragisches Ende: Kurt Elvers wird am 20. Februar 1945 – kurz vor der Kapitulation Deutschlands – hingerichtet. Ermordet.

Wer hat Kurt Elvers verraten und wird der Denunziant gefunden? Erfährt Kurt Elvers Familie Gerechtigkeit? Die komplizierte Suche beginnt und der Leser ist als Fragender mitten im Geschehen.

Bis zur Narbe ist eine außergewöhnliche Erzählung, ist sie doch ein Kriminalfall, ein Justizdrama und eine menschliche Tragödie zugleich.

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Die neueste Rezension

Die Erzählung „Bis zur Narbe“ des in Bremen geborenen Historikers
Hans Hesse ist ein vielseitiges und gelungenes Buch, das die Hinmordung
des Studenten Kurt Elvers im Februar 1945 sowie die sich anschließenden
Gegebenheiten bis in die Gegenwart thematisiert und dabei
Wissenschaft und Literatur verbindet, ohne dass diese aber verschwimmen
und sich dadurch wechselseitig entwerten würden.

„Bis zur Narbe“ ist ein ausgesprochen gelungenes literarisch-wissenschaftliches
Erinnerungswerk über einen von 20.000 bis 30.000 durch
die Wehrmachtjustiz zum Tode Verurteilten und Hingerichteten. Die
eindrucksvolle Mischung von Fakten und fiktiven Elementen lässt die
Brutalität des NS-Justizsystems und die funktionierende Einheit von
Denunzianten und Ausführenden, die beide dem Regime nützen, in beklemmender Weise deutlich werden. Rechtsgeschichtliche Vorkenntnis
erfordert „Bis zur Narbe“ nicht und richtet sich so an einen weitläufigen
Leserkreis. Es scheint gut geeignet – auch auszugsweise – Verwendung
in gymnasialen Oberstufenkursen zu finden. Für die NS-Justiz-Forschung
ist das Buch eine Bereicherung und beleuchtet besonders eindrucksvoll
die menschlichen Seiten auf Opfer- wie auf Täterseite. Wie makaber der
jahrzehntelange Umgang in der Bundesrepublik mit Opfern und Tätern
war, lässt Hesse in den letzten Zeilen dann noch einmal deutlich werden:
Die fünf am Kriegsgericht Verden tätig gewesenen Wehrmachtjuristen
fanden alle nach 1945 wieder Verwendung als Richter.

Aus: Peter Kalmbach, „Bis zur Narbe“ – Eine Erzählung über ein
Opfer der NS-Militärjustiz von Hans Hesse, in: verdikt (Mitteilungen der Fachgruppen Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte in ver.di), 2.11 (November 2011, 10. Jahrgang, S. 9–10)

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